Schweinezyklus?

Aus dem Nähkästchen eines Personalberaters geplaudert…

Im Jahr 2008 habe ich gewissermaßen die Seiten gewechselt und bin von der Personalabteilung eines IT-Unternehmens in die IT-Personalberatung gewechselt (für die, die’s nicht wissen: Damit habe ich vereinfacht gesagt den Auftrag, Jobs bei verschiedenen Unternehmen, meinen Kunden, zu besetzen. Ich bin gewissermaßen die externe Verlängerung der internen Personalabteilung).

Damals hatten wir mehr als Vollbeschäftigung in der IT-Branche. Kundenakquise war einfach: Man ruft an und sagt “Ihr sucht Java-Entwickler, ich hab grad ein paar” und hatte einen Auftrag. Die Schwierigkeit war, gute Leute zu finden, potenzielle Kandidaten waren trotz bester Chancen und guter Angebote kaum wechselbereit.

Mit dem großen Trara um die Wirtschaftskrise hat sich das alles ein wenig geändert. Heute ist es nicht mehr so einfach, an neue Aufträge zu kommen. Dabei geht es gar nicht darum, dass die Unternehmen was gegen mich hätten oder meine Konditionen nicht mögen. Sie sind vorsichtig geworden, sie trauen sich einfach nicht, die Verpflichtungen einzugehen, die ein Arbeitsvertrag eben so mit sich bringt. Irgendwo verständlich. Andererseits haben viele (okay - in manchen Branchen natürlich nicht) volle Auftragsbücher und wissen nicht, wie sie die Arbeit erledigen sollen. Auf dem Markt sind aktuell wirklich gute Leute zu haben. Jetzt wäre die Chance, sich mit den besten Köpfen einzulassen. Und sie lassen sie verstreichen. So wie die Arbeitnehmer in den letzten Jahren die Chance auf wunderschöne Jobs.

Spielen wir das Spiel mal weiter: Nehmen wir an, der Sommer bringt den versprochenen konjunkturellen Aufschwung. Es wird wieder investiert, Unternehmen werden zuversichtlicher, sie haben mehr Geld zur Verfügung und stellen auch gerne wieder Leute ein. Aber wenn Geld da ist, gibt es Gehaltserhöhungen, durch neue Aufträge interessante Aufgaben für die bestehende Mitarbeiter, sie haben keinen Grund mehr zu wechseln und das ganze Spiel wiederholt sich. Sprich: Aufträge zu bekommen, wird für mich wieder einfacher. Die Besetzung der beauftragten Positionen wird wieder schwieriger.

Das alles erinnert mich an meine Schul- und Studienzeit, als ich in meinen Volkswirtschafts-Vorlesungen dem Begriff des Schweinezyklus begegnet bin. Das Ganze wirkt sich auf die Preise aus. Ich habe den Eindruck, dass die Gehälter gerade wieder fallen. (Ich habe aber nicht genug statistische Daten, um diese Aussage valide untermauern zu können.) Das Schweinezyklus-Konzept ist bestechend einfach, aber ich habe es noch nie so schön beobachten können.

Siegfried Breuer schreibt in seinem Blog, dass funktionierende Märkte kein Gleichgewicht kennen. Vielleicht hat er recht. Ich bin gespannt, wann ich dem ersten Querulanten begegne, der jetzt im großen Stil in Personal investiert. Von vereinzelten Fällen habe ich in der Zeitung gelesen.

Soweit macht das ja alles Sinn, es passt in mein volkswirtschaftliches Verständnis. Was ich nicht verstehe: Warum sind jetzt auf einmal auch echt gute Leute wechselwillig, die keine Angst um ihren Job haben müssen? Kann hier ein Psychologe oder Soziologe für Aufklärung sorgen?

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